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Bildung gerne lebenslänglich: Erfolgsgeschichten jenseits der Normalbiografie! Heute: S, weiblich, 36

Nachdem inzwischen wieder ein paar Mitstreiter den Fragebogen (siehe Sidebar links: Umfragen ….) ausgefüllt haben, heute mal wieder eine sehr interessante Erfolgsbiografie:

BoxerSchulbildung (1. Bildungsweg):

Grundschule normal durchwandert
Gymnasium 6. Klasse wiederholt
Realschule 7. und 9. Klasse wiederholt
Hauptschulabaschluss nach Klasse 9

Lehre/Ausbildung:

mit 19 Jahren Ausbildung zur Friseurin (als Notlösung, aber nie aus Überzeugung)
abgeschlossen mit Gesellenbrief
mit 23 Jahren Kinder (Mutter, Hausfrau)

Abitur? Wenn ja, erster oder zweiter Bildungsweg?

2001 Beginn zweiter Bildungsweg
2003 Realschulabschluss mit Quallifikation
2007 Abitur, Durchschnitt 2,3

Wenn zweiter Bildungsweg: Mit welchem Alter? Wie kam es dazu? Fernschule oder Tages- oder Abendgymnasium, oder …?

Meinen zweiten Bildungsweg habe ich im Alter von 27 Jahren begonnen und an einem Kolleg als ganz normalem Vormittagsunterricht begonnen.
Meine Mutter passte in dieser Zeit auf meine Kinder auf.
Als Teen fehlte mir die Reife und das Interesse – bzw. Verständnis wie bedeutsam ein Schulabschluss für den weiteren Lebensweg ist.
Damals lebte ich in einer sehr kleinen Welt und nahm an, dass die Rolle der Mutter und Hausfrau für Frauen vorprogrammiert Gang und Gäbe sei.
Nach der Trennung von meinem Mann und Vater meiner Kinder sah ich mich dann bar jeglicher Identität vor eine plötzlich sehr großen Welt stehen, in der ich keinen Platz zu finden – ja, in der ich kaum etwas Wert zu sein schien.
Da ich nach wie vor nicht wusste wohin mein Weg gehen sollte und meine schulische Voraussetzung nicht die aller beste war – man versagte mir seitens des Arbeitsamtes eine Umschulung – wählte ich zunächst den zweiten Bildungsweg um meinen Realschulabschluss nach zu holen.
Später entschied ich mich dann noch den Weg bis zum Abitur dran zu hängen.
Man will es ja nun auch wirklich wissen, nicht wahr? 🙂
In dieser Zeit hatte ich enorme Schwierigkeiten zu überwinden.
Scheidung, ein schwererziehbares Kind, mehrere geplatze Beziehungen, unter anderem wurde ich zusammen geschlagen, etc.
Aus diesen Gründen fiel mein Abiturdurchschnitt leider niedriger aus als er hätte werden können.
Aber immerhin – geschafft.

Studium (schon begonnen oder geplant)? Wenn ohne Abitur: An welcher Uni und auf welchem Weg war das ohne Abitur möglich?

SS 09/10 Beginn Studium Bildungswissenschaft via FernUniversität

Wenn Studium: Präsenzstudium oder Fernstudium? Vollzeit oder Teilzeit?

Nach weiterer Bedenkzeit entschied ich mich dann für den Studiengang Bildungswissenschaft an der Fernuni Hagen.
Denn dieses Metier schien mir – auch auf Grund privater Bildung – zu liegen.
Des weiteren kämpfe ich seit vielen Jahren gegen Ungerechtigkeiten im System. Mit einer solchen Grundausbildung "erkauft" man sich einen Titel.
Mit einem Titel wird man akzeptiert und gehört.
Ohne Titel braucht man gar nicht erst den Mund aufzumachen.
Zweckmitteldenken also.
Das Fernstudium erschien mir als einzig denkbare Möglichkeit, da ich nicht nur für meine Kinder da zu sein habe, sondern wir auch aus privaten gründen eine Zeit lang regelmäßig umziehen mussten.

Werdet ihr gefördert (Bafög oder Stipendium)?

Ich bin zu alt für die meisten Stipendien. Man traut sich auch nicht zu überhaupt eines erhalten zu können.
Da man sich ungern einer blamierenden Demütigung aussetzt, fragt man auch erst gar nicht danach.
Ich bekomme Bafög, da mir Erziehungszeiten anerkannt wurden.
Nach dem bafög zu fragen hat mich schon erhebliche Überwindung gekostet. Immerhin wird man gezwungen nebst seinem Lebenslauf auch eine Abhandlung darüber zu schreiben, warum man denn seiner Meinung nach für einen zweiten Bildungsweg berechtigt sei.
Mit einem eher geringen Selbstwert und dem allgemeinen Glauben, dass man sowieso zu nichts berechtigt ist nicht all zu selbstverständlich durchs leben tingelt, fällt einem sowas entsprechend schwer.
Wenn man dann unerwartet doch den Zuschlag bekommt, fällt einem zunächst alles aus dem Gesicht.
Danach freut man sich dann doch – vorübergehend.

Was ist Euer Ziel? Aufstieg im bisherigen Berufsfeld oder etwas ganz Neues?

Mein Ziel ist einen Beruf zu erlernen, der mir mannigfaltige Wege eröffnet.
Zum einen wäre da vor allem die Eigenständigkeit. Als Frau unabhängig werden von Milden Gaben des Staates, oder Verwandten und/oder Partnern. Denn das ist ein demütigender Zustand.
Zum anderen eine Möglichkeit der eigenen, unerträglichen Isolation zu entkommen, in dem man mit Menschen zusammen arbeiten und agieren kann.
Des Weiteren möchte ich aus eigenem Interesse einen Teil beitragen, der hoffentlich zu Veränderungen im System führt.
We will see…

Bereits nach 3 Semestern Studium kam es allerdings zum Aufstieg in eine Leitungsposition

„nur Bachelor“ oder weitergehende Studienpläne (Master, Promovieren…)

In wie weit ich nach dem Bachelor weiter mache, wir sich aus der dann bestehenden Situation ergeben.

Besondere Erfahrungen (gute und schlechte) dabei?

Mein erstes Semester habe ich vergeigt.
Die Isolation eines Fernstudiums und das in Einklangbringen mit den alltäglichen Pflichten zu Hause macht ein Studim nicht grade einfach.
Große Versagensängste, die zu einer gänzlichen Lernblockade führten.
Ich fühlte mich wenig vorbereitet und ins kalte Wasser geschmissen.
Die Angst vor einer Blamage hat mich schweigen und wenig Hilfe suchen lassen.
So wie auch die Angst aus der Liste der Bafögempfänger gestrichen zu werden – Leistungsdruck.
Wäre mir das passiert, hätte ich meine letzte Chance noch etwas aus meinem Leben zu machen – vertan.
Dieses erste Semester war jedoch lehrreich. Mit dem Vorlauf und den ersten Einblicken in die Studienvernetzungen und Funktionen kann ich dieses Semester wesentlich zielgerichteter und gelassener agieren.
Auch jetzt fühle ich an manchen Tagen noch Blockaden. Sehr oft überwältigen mich die Alltagspflichten – Haushalt, Kinder, und all die unschönen Dinge, die stetig über einen hinein brechen.
Zur Zeit ist mein Auto irreparabel kaputt und ich weiß noch nicht ob ich mir ein neues leisten kann – wahrscheinlich eher nicht.
Aber man beißt sich durch – überwindet depressive, stagnierende Phasen, oder ignoriert sie standhaft.
Alles ist besser als die Situation aus der man kommt – und zu der man nicht wieder zurück fallen will.

                           

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