Was du bist hängt von drei Faktoren ab: Was du geerbt hast, was deine Umgebung aus dir machte und was du in freier Wahl aus deiner Umgebung und deinem Erbe gemacht hast. (Aldous Huxley)
Dieses Zitat sprang mir vor längerer Zeit ins Auge, der Aspekt wurde hier in einem Kommentar bereits und – nachdem ich im Rahmen meines Studiums immer wieder auf den Widerspruch zwischen theoretischer Chancengleichheit und faktisch völlig unterschiedlichen “Handicaps” beim Start in Bildung und Weiterbildung stoße – möchte ich diesen Zusammenhang mit diesem Artikel, den ich 2010 geschrieben habe, nochmal »nach oben« holen. Dazu kommt, dass ich mich aktuell mit unserer Community auch bei einem sozialen Projekt “Start-Social” beworben habe. Dort bekam man “Juroren-Feedback”, welches für uns einerseits sehr positiv ausfiel (z.B.: "… “ist sicher Bedarf. Dafür die Welt des Internet und der Blogger zu nutzen ist effizient, kostengünstig und bringt die notwendige Verbreitung”), mich aber andererseits auch etwas erschreckte, mit Aussagen wie “… auch gibt es sicher einige Menschen, die ihr Abitur nachholen oder noch studieren möchten …”; “Abi oder Studium sind ein Weg, sich zu bilden, dies kann jedoch auch über den zweiten Bildungsweg geschehen …” (HALLO???) und der Frage an mich: “Sie sprechen auch häufiger von einem bildungsfernen Milieu. Heißt das für Sie, dass Kinder, die in einem Elternhaus ohne Abitur und Studium aufwachsen, nicht so lernfreudig sind?” Was sind denn das für Fragen – nach Pisa und neuesten OECD Studien sollte eigentlich jedem klar sein, dass das Umfeld eine enorme Rolle spielt? Und natürlich macht es in Bezug auf Lernfreude und Motivation (nicht nur von Kindern!!!!) einen Unterschied, ob im Umfeld Bildung und Weiterbildung hoch geschätzt wird. Und sofern Abitur und Studium nicht als reines Mittel zum Zweck angesehen werden, sondern als Möglichkeit sich weiterzuentwickeln, über den Tellerrand zu blicken, das Lernen zu lernen, wieder neugierig zu sein, kritisch zu sein, reflexiv zu sein, nicht zu re-agieren sondern agieren zu können , sollte jeder dazu ermutigt werden, der daran Interesse hat!
Meiner Ansicht nach fehlt in dem Zitat ein vierter Faktor, der zwischen Nummer zwei und drei gehört: Wer Dich als Erwachsener zu Neugierde, Mut und Änderungen der Umstände ermutigt hat.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ohne den »Tritt in den Hintern«, der bei mir die Ermutigung und das Zutrauen war, an mir arbeiten zu können und nochmal etwas ganz Neues zu beginnen, wäre es bei der vagen Idee geblieben, dass es vielleicht noch mehr geben könnte, als nur arbeiten zu gehen, um zu überleben.
Beim größten Teil meines damaligen Umfeldes erntete ich mit dem Entschluss, mit 37 noch damit zu beginnen mein Abitur nachzuholen (und später sogar noch ein Studium anzufangen, statt wieder brav in den alten Trott zu rutschen …)
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