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Besser spät als nie – meine persönliche Erfolgsgeschichte

Wie alles begann
Etliche Klicks auf diese – bisher leere 🙂 – Seite, zeigen mir, dass Ihr neugierig seid, wer hier in den letzten Tagen so einen Wind schlägt 😉

Deshalb dachte ich, ich fange einfach mal an und werde meine Geschichte hier dann immer mal ergänzen – bis ich irgendwann die Aktualität eingeholt habe 🙂

Inhaltsverzeichnis:

1. Teil: Erste Schulkarriere

Meine »erste Lernkarriere« startete zwar vielversprechend, aber wie das so oft ist, wenn am Anfang viel versprochen wird: Erstmal wurde nicht viel daraus …

Ich gehörte zu den komischen Kindern, die gerne zur Schule gegangen sind. Ich fand es immer toll viele verschiedene Sachen zu lernen und vor allem lesen zu können – in Bücher konnte ich mich immer schon vergraben, das geht mir heute noch so.

Trotz einem 1er Zeugnis nach der Grundschule kam ich erstmal auf die Realschule – da gingen „alle“ hin und „es muss ja nicht jeder eine Studierter sein“ (jedE schon gleich gar nicht…)

Nach der sechsten Klasse bin ich dann alleine zum Rektor des benachbarten Gymnasiums gegangen und habe mich dort angemeldet. Die Unterschrift habe ich nachgereicht – ich konnte schon immer sehr penetrant sein, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte.

Auch dort ging es sehr gut los. Ich fand den Anschluss in den Fächern, die ich auf der Realschule nicht hatte schnell und ich fühlte mich gefordert und wohl. Am besten verstand ich mich mit den Lehrern, Mitschüler fanden mich wohl oft seltsam (was vermutlich nicht nur an den roten Haaren lag – aber auch 😉 ).

Das ganze änderte sich, als die 11te Klasse dem Ende zuging. Auf einmal sollte Schluss sein mit dem interessanten gemischten Lernen von immer neuen Dingen. Man sollte sich festlegen (das mochte ich damals schon nicht, auch wenn es da wohl eher unbewußt war). Leistungskurse wählen (das wäre ja noch gegangen) und Fächer abwählen (geht gar nicht) – das hat mich irgendwie überfordert. Sicher war auch eine Portion Teenie-Aufmüpfigkeit dabei: Mal ausprobieren was die sagen, wenn ich nach dem ganzen Tamtam und „ich will aufs Gymnasium“ jetzt lieber Friseuse oder Malermeister werden will …. Leider sagten sie nichts und ich setze wieder »meinen Willen« durch.

Und das war es dann für lange lange Zeit erstmal mit Bildung. Es folgten ein bisschen Ausland, ein bisschen Handelschule, eine Lehre…. – aber davon erzähl ich beim nächsten Mal!

2. Teil: Ausbildung und Berufstätigkeit

Tja, nachdem mich nun niemand am Hinschmeißen gehindert hatte, saß ich also da und konnte recht wenig mit mir anfangen. Nur was ich nicht wollte, das wußte ich so eingermaßen: Nämlich doch nicht Friseuse oder Handwerkerin werden.

Das Jahr nach dem „Schulaustritt“ war ziemlich chaotisch. Ich machte erstmal länger Urlaub 🙂 – entdeckte dabei eine Leidenschaft für Bulgarien und die bulgarische Sprache und bildete mir eine Zeitlang ein, dass ich da unbedingt mal leben will … da ich aber nicht so einfach auswandern konnte, suchte ich mir nach dem Urlaub einen Job.

Ich fand eine neue Leidenschaft als „rasende Reporterin“ bei einem kleinen lokalen Blatt – das machte Spaß :-). Ich fuhr in einem orangen Fiat 500 über die Dörfer, besuchte von Geschäftseröffnungen bis zu Dorffesten alles und schrieb darüber. Und verkaufte nebenbei noch ausgesprochen erfolgreich Werbeanzeigen.

Leider verabschiedete sich aber der Inhaber der Zeitung nach etwa einem Jahr nach Frankreich und ich stand wieder vor der Frage »was nun«. Auf Drängen von Zuhause begann ich mich um »was Ordentliches« ´zu bemühen. Wobei bemühen es nicht so ganz treffend beschreibt 😉 – ich schrieb halt Bewerbungen. Mit soviel Motivation, dass sie glücklicherweise nichts wurden – sonst wäre ich vielleicht heute noch Speditionskauffrau irgendwo im Schwarzwald (nicht dass da grundsätzlich was dagegen spricht – aber mich schauderts halt dabei 🙂 ).

Um dem Ganzen noch eine Weile aus dem Weg zu gehen, meldete ich mich wieder bei einer Schule an: Ein zweijähriges kaufmännisches Berufskolleg. Und den diffusen Plan im Hinterkopf: Danach in München Touristik studieren (und dann nach Bulgarien auswandern 🙂 ).

Die Schule machte Spaß, erstmals Kontakt mit EDV, kaufmännischem Englisch, Mathe mal anders… die guten Noten fielen mir in den Schoß und außer Buchhaltung fand ich alles interessant.

In den Ferien machte ich dann einen Ausflug nach München und besuchte dort mal die Fachhochschule, die ich für mein Touristikstudium auserkoren hatte. Und die Überraschung war groß: Die wollten mich nicht :-(. Bzw. die Bayern wollten nur bayrische Abschlüsse, mein Zeugnis aus BadenWürtemberg wäre nicht anerkannt worden.

Flexibilität ist alles 🙂 – ich blieb einfach zwei Wochem länger und versuchte mir eine Lehrstelle in einem Reisebüro zu suchen. Leider hatten die aber auch nicht auf mich gewartet und die Lehrstellenfür September waren im August erstaunlicher Weise schon besetzt.

Nun hatte ich mir aber München in den Kopf gesetzt – also musste ein Job her. Ich fand eine Praktikantenstelle und hatte dann das Glück, dass das Reisebüro kurz darauf jemanden einstellte, der ausbilden durfte und mein Praktikum rückwirkend in eine Lehre umgewandelt wurde. Perfekt. Zunächst.

München war spannend, Arbeit auch, zumal ich alleine mit zwei leicht schusseligen Herren das Büro schmiss und sehr schnell viel Verantwortung tragen durfte (musste). Berufsschule lief so nebenher und zum ersten Mal hatte ich keine so berühmten Noten – weil alles andere einfach viel spannender und interessanter war als der Verlauf des Rheins und kaufmännisches Kalkulieren.

Die Prüfung bei der IHK bestand ich mit mittelprächtigem Abschluss. Für wenig Geld den ganzen Laden zu schmeißen hing mir inzwischen leicht zum Hals raus und ich suchte und fand eine neue Stelle: Bei der indonesischen Fluggesellschaft im Stadtbüro. Ich besuchte Seminare in Jakarta und hatte tolle Urlaube. Der Job selber am Counter aber war öde und füllte mich nicht aus – außerdem war das Betriebsklima miserabel.

Es war Zeit für neue Pläne. Ich bewarb mich bei einer Versicherung im Innendienst. Branchenfremd wurden mir wenig Karriereaussichten zugetraut, aber Widerstände haben mich schon immer gereizt und ich schaffte es über ein Assessmentcenter immerhin bis zur Gruppenleiterin. Aber dann wurde es auch sehr schnell langweilig und ich wußte eigentlich wieder nur, dass es das nicht auf Dauer sein kann.

In der ersten Zeit nach meiner Beförderung zur Gruppenleiterin hatte die Arbeit wieder mehr Spaß gemacht. Es gab neue Herausforderungen und viele Skeptiker, denen ich beweisen konnte, dass ich nicht nur im Assessment-Center überzeugt habe, sondern dem Job auch gewachsen war.
Naja, tatsächlich aber machte ich nicht viel, was ich nicht vorher auch schon gut getan hätte und der Reiz des »Neuen« wich ziemlich schnell der Routine. Vor allem die nicht zu ändernde starre Struktur störte mich immer mehr. Feste Arbeitszeiten, egal ob viel zu tun war oder wenig. Obwohl der wechselnde Rhythmus durchaus vorhersagbar war, mußte Zeit abgesessen werden wenn wenig zu tun war und zu Hoch-Zeiten die dreifache Menge, möglichst ohne Überstunden, bewältigt werden. Es war Zeit für ein neues Abenteuer.

Zur gleichen Zeit begann der Versicherungskonzern sich zu zentralisieren und es war abzusehen, dass in einigen Monaten entweder die Eingliederung in einen anderen Konzern oder ein Umzug anstehen würde – zu beidem hatte ich wenig Motivation. Damit war entschieden, was ich vorher nur als vage Idee ausgebrütet hatte: Ich wollte von zuhause aus und flexibel arbeiten.

Dies gelang auch mehr oder weniger gut und aus verschiedenen Ideen und Ansätzen wurde schließlich ein kleiner Sekretariats- und IT-Service. Ich bekam über Empfehlungen relativ schnell einen kleinen Kundenstamm im Bereich Sekretariatsservice. Nebenbei arbeitete ich mich autodidaktisch in PC Programme, Hardware und Vernetzung ein, ein Bereich der bei vielen Betrieben »nebenher«, also ohne dafür angestellte Mitarbeiter lief, vernetzte mich mit IT-Freelancern und gab auch firmenspezifische Office-Schulungen. Die so gewonnene neue Freiheit hätte ich nicht mehr aufgeben mögen.

Von diesem Aspekt abgesehen hatte sich aber am Anspruch meiner Tätigkeit relativ wenig geändert. Büroarbeit ist Büroarbeit und macht mir ehrlich gesagt wenig Spaß. Die IT-Geschichte war interessant, aber auch hier stieß man wieder schnell an Grenzen. Überall gab es „Quasi-Zuständige“ die sich auf den Schlips getreten fühlen, sich einfach nur einen glatten Ablauf wünschten, möglichst ohne etwas ändern zu müssen, was bisher ja auch irgendwie funktionierte.

Und wieder war ich an einem Punkt, an dem der Gedanke »das will ich nicht noch jahrzehntelang machen« immer öfter aufkam. Und gleichzeitig die Erkenntnis immer offensichtlicher wurde, dass wohl kein Job, der mir mit meiner bisherigen Bildungsbiografie offen stand, meine eigenen Ansprüche würde befriedigen können. Ich wollte etwas Kreatives tun, Dinge ändern, etwas bewirken und meine Grenzen selber setzen.

Außerdem störte mich immer mehr die Tatsache, dass ich bei vielen Dingen nicht richtig mitreden konnte, mein Wissen zu sehr an der Oberfläche von praktischer Erfahrung aus Learning by Doing und rein spezifischen Berufskenntnissen blieb. Ich hatte mehr und mehr das Gefühl ein »Fachidiot« zu werden, ohne Blick über den Tellerrand und ohne theoretisches Hintergrundwissen. Ich konnte das zwar sehr gut vertuschen, aber glücklicherweise nicht vor mir selbst.

So fing ich an, nach Kursen zu recherchieren, die Allgemeinbildung vermitteln. Fast hätte ich dafür viel Geld ausgegeben 🙂 aber zum Glück kam dann der Gedanke: »Wieso machst Du denn dann nicht lieber Abitur?«.

Peng – da war sie endlich, die neue Herausforderung.

Trotz einiger Zweifel, ob es überhaupt machbar sei, an »so altes« Schulwissen wieder anzuknüpfen, fielen mir keine Argumente ein, die dafür gesprochen hätten es nicht wenigstens zu versuchen.

Ich forderte Unterlagen bei einem Ferninstitut an, buchte eine Probezeit und wusste schon nach den ersten Heften: »Das ist es – ich möchte am liebsten nur noch lernen, lernen, lernen« Ich hatte Blut geleckt und je mehr ich lernte, desto weniger hatte ich Lust auf meinen »Job« und Sehnsucht danach, mehr aus dem Lernen und Wissen zu machen.

Mein neues Leben

Ja – und das habe ich dann auch getan. Mit zarten 42 war ich stolze Besitzerin eines wirklich guten Abiturs und schrieb mich zum Wintersemester 2007/2008 an der FernUniversität in Hagen ein. Es gelang mir sowohl für den Bachelor, den ich 2011 abschloss, als auch für das folgende Masterstudium ein Stipendium zu bekommen und sein April 2011 arbeite ich auch an „meiner Uni“. Meine Liebe für’s Lernen ist geblieben und hat sich in ein großes Forschungsinteresse rund um das Thema Lernprozesse erweitert, das ich im Rahmen einer Promotion „füttern“ werde. Und wie es dann weitergeht … wer weiß … eines weiß ich aber sicher: Die Forschung rund um’s Lernen ist „mein Thema“, dem ich den Rest meines Lebens treu bleiben werde!

Wie es weiterging und weitergehen wird

Nachdem ich beruflich eine – für eine Verhältnisse – ganze Weile in meinem neuen Berufsleben verweilen durfte, wird es nun – 2016 – nochmal spannend. Und da ich darüber schon einen Blog-Artikel verfasst habe, kopiere ich den der vollständigkeithalbe auch hier her – damit ist auch diese Seite wieder aktuell:

Persönliches Resümé meiner Zeit an der FernUniversität in Hagen

Lang ist's her: Mein erstes Türschild in Hagen!

Seit ich vor einigen Tagen in Facebook in einem Nebensatz erwähnte, dass meine Zeit an der FernUni Ende März zu Ende ist, erreichen mich zahlreiche Nachrichten, alle mit dem Tenor höchster Verwunderung, verbunden mit der Frage, weshalb ich denn dort weg will und wohin ich gehe.

Gleich vorab: Von „weg wollen“ kann keine Rede sein. Wohin ich beruflich gehe ist noch nicht entschieden, denn hier sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, wenn ich nicht Gefahr laufen will, meine beruflichen Pläne aus bürokratisch-formalen Gründen heraus nicht verwirklichen zu können. „Privat“ bin ich nebenbei auch seit kurzem wieder als Studierende eingeschrieben, im Studiengang Informatik.

Dass ich beruflich die FernUni verlassen werde, weiß ich mit letzter Sicherheit seit Anfang Dezember. Seither hatte ich, bedingt durch Weihnachten, Urlaub und momentan auch Krankheit, viel Zeit darüber nachzudenken, wie ich damit umgehe. Nach anfänglichem Zögern habe ich mich nun entschlossen, mein persönliches „FernUni Resümé“ in dem Weblog zu veröffentlichen, das mich während meiner FernUni Zeit begleitet hat und auf dem ich bisher immer voller Überzeugung dafür plädiert habe, dass es sich in jedweder Hinsicht lebenslang lohnt, mit Abitur und Studium noch einmal von vorne anzufangen. So wie ich es 2005 getan habe und es auch bis heute nicht bereue. Die uneingeschränkte Euphorie hinsichtlich der daraus möglichen Chancen muss ich allerdings inzwischen einschränken – hier ist noch viel Veränderung in Einstellungen, Politik und Institutionen nötig. Mein Ziel, daran mitzuarbeiten, bleibt unverändert, nur wo und wie genau ist nun wieder einmal offen.

Aber von vorne: Als ich 2005 den Entschluss fasste, mein Abitur im Fern-„Studium“ nachzuholen, war das der Beginn einer bis heute ungebrochenen Begeisterung für Lernen und Neugierde auf alle Kontexte und Aspekte, die ein lebenslanges Lernen ermöglichen, erleichtern und beeinflussen. 2007 hatte ich mein Externen-Abitur in der Tasche und so viel Gefallen am selbstorganisierten, autonomen und flexiblen Lernen gefunden, dass ich mir ein „klassisches/traditionelles“ Studium  nicht vorstellen konnte. Damit war sehr schnell klar, dass die FernUniversität in Hagen die Universität meiner Wahl würde. Das ist sie in dieser Hinsicht bis heute geblieben.

Mit dem Bachelor-Studiengang Bildungswissenschaft und dem anschließenden Master eEducation hatte ich ein Feld gefunden, das es mir ermöglichte mein eigenes Lernen mit meiner Neugierde nach Veränderungen, Verbesserungen und Entwicklungen von Lernprozessen zu verbinden. Die Potentiale, die „neue“ (damals waren sie das teilweise wirklich noch) digitale Medien dafür bieten, haben mich schon immer fasziniert und in dieser Hinsicht war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sehr gerne und häufig habe ich in Gesprächen betont, dass ich mit 40 nun zum ersten Mal einen Bereich und ein Tätigkeitsfeld gefunden habe, das mich anhaltend begeistert und nicht nach kurzer Zeit wieder langweilt. Eine Berufung eben, in Unterschied zu einem Beruf.

Nun ging es – im Vergleich zu den vielen Jahren beruflichen „Suchens“ auch ziemlich rasant vorwärts. Im Studium habe ich mich in der Studierendenschaft engagiert und kam dadurch erstmals mit dem „Betrieb“ FernUniversität in Berührung. Ich war studentisches Mitglied in verschiedenen Gremien und Kommissionen und mir wurde immer klarer, dass ich mich über mein Studium hinaus an der FernUniversität verortet sehe. Ich konnte Menschen schon immer gut mit meiner Begeisterung anstecken und motivieren – und dies im Bereich akademischer Bildung auf dem „nicht-klassischen“ Weg zu tun, schien mir ein lohnendes Ziel. 2008 bewarb ich mich erfolgreich für ein Stipendium bei der Stiftung zur Förderung beruflich Begabter und konnte mich damit unbelastet dem Studium und dem Engagement in den Gremien widmen. Als ich mich für das Stipendium bewarb hatte ich große Bedenken, ob ich da meines Alters wegen überhaupt noch in Frage komme. Schließlich würde es ja sicherlich eine Rolle spielen, ob man dort die Chance sieht, das investierte Geld über berufliche Erfolge dann auch wieder zurück zu bekommen. Ganz offensichtlich konnte ich aber auch hier überzeugen.

2011 beendete ich mein Bachelorstudium mit der Gesamtnote 1,5. Meine Abschlussarbeit, die ich aufgrund von geänderten Bewerbungsfristen für ein weiterführendes Master-Stipendium, statt in drei Monaten in knapp vier Wochen schreiben musste, wurde mit 1,0 bewertet. Auch die Verlängerung des Stipendiums für mein Masterstudium wurde positiv beschieden. Auch hier muss mein Motivationsschreiben und die Realisierbarkeit meiner Promotions- und Berufspläne erneut überzeugt haben.

Im April 2011 begann dann nicht nur mein Masterstudium, sondern auch meine berufliche Tätigkeit an der FernUniversität in Hagen, wo ich mich initiativ beworben hatte und als wissenschaftliche Hilfskraft mit 10 Wochenstunden „einstieg“. Als im Dezember 2011 eine Projektstelle frei wurde, wurde daraus eine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiter mit einer 75%  Stelle. Das war, neben dem weiterhin laufenden Vollzeitstudium, eine ganz schöne Herausforderung. Und ich war zu diesem Zeitpunkt, soweit ich weiß, die erste Mitarbeiterin der FernUniversität, die mit einem Bachelor-Abschluss eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin bekam. Es musste sogar schriftlich begründet werden, weshalb man mich, statt einer MasterabsolventIn, wollte.

Nach Projektende wurde ich dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschung und Lehre mit einer 50 Prozent Stelle – die sich besser mit dem Studium verbinden ließ – am Lehrgebiet übernommen. Ich betreute nun neben ersten Forschungsaktivitäten auch Studierende, war an Lehrveranstaltungen beteiligt, führte erstmals eine (studiengangsspezifische) Absolventen-Ehrung für „BiWis“ ein und konnte ein weiteres Projekt realisieren, das mir schon lange am Herzen lag:  Die Konzeption, Entwicklung, Einführung und Betreuung einer semester- und studiengangsübergreifenden Schreibwerkstatt mit Video Tutorials, Treffen in einem virtuellen Klassenzimmer und dem Aufbau von Peer-Unterstützung rund um die Nutzung eines Literaturverwaltungsprogramms im Studium.

Nachdem ich als Hilfskraft zunächst von München aus arbeitete, zog ich 2012 dann nach Hagen um. Damit leitete ich auch privat einen wichtigen Bruch ein und mein neuer Beruf und mein neues Umfeld machten es mir möglich, mich aus einer viele Jahre lang sehr belastenden Beziehung zu befreien. Bezahlen musste ich diese Freiheit allerdings zunächst mit einem fast zwei Jahre andauernden, sehr kräftezehrenden, Stalking Prozess. Auch wenn ich dabei sehr dicht an meine Grenzen geriet und der Abschluss meines Masterstudiums (zu dem Zeitpunkt hatte ich sehr erfolgreich alle Module absolviert und war dabei, mit der Abschlussarbeit zu starten) sich damit zwei Jahre verzögerte, habe ich es geschafft, nicht hinzuschmeißen, sondern für „meine Berufung“ und den Verbleib an der FernUni zu kämpfen. Sehr viele Personen, gerade auch in meinem beruflichen Umfeld, haben mich dabei sehr unterstützt und ermutigt an meinen beruflichen Plänen und Zielen festzuhalten.

Das habe ich dann auch getan und trotz der extremen Belastung und Bedrohung in dieser Zeit erstmals auch an einer Ausschreibung für einen wissenschaftlichen Artikel im Rahmen einer internationalen Konferenz erfolgreich teilgenommen. Im Herbst 2014 durfte ich nach Chile fliegen und dort meine eigene Forschung präsentieren, was gleichzeitig auch meine erste internationale Veröffentlichung war. Ich konnte dort viele Kontakte knüpfen und durch sehr positives Feedback internationaler Wissenschaftler vor allem auch wieder Selbstbewusstsein und die Gewissheit tanken, dass ich mit meinen Forschungsfragen, meinen Themen und meinen Zielen „am Puls der Zeit“ liege – zumindest was Forschung hierzu im internationalen Kontext betrifft …

Besonders ermutigt und unterstützt, den Artikel einzureichen und nach Chile reisen zu können, hat mich dabei das Lehrgebiet, bei welchem ich meine B.A. Abschlussarbeit geschrieben hatte und auch die zu dem Zeitpunkt ein wenig „auf Eis liegende“ Masterabschlussarbeit schrieb. Das Forschungsfeld dieses Lehrgebietes lag letztlich dann auch noch näher an „meinen“ Themen, die ich für weitere Forschung, vor allem für meine Dissertation, vertiefen wollte. Vor allem aus diesem Grund wechselte ich dann im März 2015 beruflich das Lehrgebiet.

In meinem neuen Aufgabenbereich war ich nun für Studierende in Eingangsmodulen verantwortlich. Das war eine besonders spannende und „lohnende“ Aufgabe, da ich hier viel Gelegenheit hatte, am Beginn des Studiums die nötige Motivation „zuzuschießen“ und meine eigenen Erfahrungen aus dem Studium nutzen konnte. Ich erweiterte die Mediennutzung im Modul, legte einen neuen Schwerpunkt auf das Kennenlernen und Nutzen verschiedener Kommunikationstools und -plattformen und konnte einen „Modelversuch“ einer „Moodle-Social-Mediaschnittstelle“ durchsetzen, mit dem ich gerne zeigen wollte, dass das „Abwandern“ nach Facebook nicht nur negativ gewertet werden muss, sondern als erweiterte selbstorganisierte Lernplattform, neben vielen anderen, auch positiv betrachtet und genutzt werden kann.

Darüber hinaus konnte ich aktiv „meine“ Forschungsthemen weiterverfolgen. 2015 hatte ich zwei internationale Veröffentlichungen, die ich im August auf einer Konferenz in Maribor präsentieren durfte. Im Juli dieses Jahres konnte ich dann auch meine Masterarbeit und damit mein Masterstudium mit einer Gesamtnote von 1,4 abschließen. Das krönende Feedback des Jahres war dann eine Einladung, im November in Dublin eine Keynote im Rahmen eines internationalen Seminars im Vorfeld einer Konferenz zu Universal Design halten zu dürfen. Hier referierte ich unter anderem über die Vorteile, die ein Fernstudium Studierenden bietet, die aus vielfältigen Gründen kein „traditionelles“ Studium absolvieren können oder konnten. Auch in den News der FernUni wurde darüber berichtet.

Soweit der positive Teil meiner persönlichen Bilanz.

Als ich 2015 in das andere Lehrgebiet wechselte, war mir bewusst, dass das mit einem Risiko verbunden war. Das Lehrgebiet wurde seit vielen Jahren vertreten und eine Neubesetzung der Professur, die in diesem Jahr nochmals ausgeschrieben war, stand an. Es gab viel Unruhe und Unsicherheiten, da – was vielleicht nicht allen Lesern bekannt ist? – die wissenschaftlichen Mitarbeiter an der FernUniversität (nicht nur dort, auch an allen anderen Universitäten) in befristeten Verträgen angestellt sind. Verbunden mit der Neubesetzung einer Professur sind daher auch immer Spekulationen, wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, ob der/die neue ProfessorIn ein eigenes Team mitbringt, etc.

Auch wenn ich schreibe, dass ich mir „des Risikos bewusst“ war, muss ich zugeben, dass ich ehrlich gesagt fest überzeugt davon war, dass erfahrene und erfolgreiche Mitarbeiter nicht einfach ersetzt, sondern wertgeschätzt werden würden. Gerade wenn neue ProfessorInnen von Präsenzuniversitäten kommen, werden sie froh über Unterstützung und Erfahrung in der Fernlehre sein – dachte ich … Und was mich persönlich betrifft – es mag vielleicht überheblich klingen – aber ich war mir sicher, dass man auf mein Erfahrungspaket aus „langjährige Fernstudentin der FernUni“, langjährige Mitarbeiterin, Expertise in Theorie und Praxis, internationale Veröffentlichungen/Kontakte/Themen und spannenden Forschungsperspektiven in Form eines für die FernUni absolut relevanten und wichtigen Dissertationsthemas, nicht verzichten würde.

Bis vor kurzem hätte ich mir also niemals träumen lassen, dass ich die FernUniversität vor Abschluss meiner Doktorarbeit verlassen würde und diese nicht dort betreut wird … und auch danach hätte ich mich weiterhin dort gesehen. Diese Sicht wird nun aber leider an dafür entscheidender Stelle nicht mehr geteilt. Die im Lehrgebiet geplanten Qualifikationsstellen zur Promotion sollen extern besetzt werden, Mitarbeiter mit Präsenzunierfahrung ins „Team“ geholt werden. In meinem Alter hätte ich ja keine Chance mehr auf eine Professur. Mich auf eine solche Stelle zu setzen würde mit großer Wahrscheinlichkeit einfach nur „akademisches Proletariat“ produzieren.

Ich mag und werde diesen negativen Abschluss meiner FernUni Zeit nun nicht auf die FernUniversität als Institution projizieren. Dennoch, dass so etwas ganz einfach möglich ist, hinterlässt einen extrem bitteren Beigeschmack bei mir. Die FernUni hat es sich doch auf  die Fahne geschrieben und betont es in auf allen Kanälen immer wieder, dass hier „nicht traditionell“ Studierende die Chance auf akademische Karrieren bekommen. Studierende die keine klassische gradlinige akademische Bildungsbiografie aufweisen, nicht direktlinig vom Abitur über ein Studium zum Doktortitel marschieren, sondern aus vielfältigen beruflichen und privaten Kontexten heraus kommen. Die sind dann aber eben auch nach erfolgreichem Abschluss eines Masters (und das zu erreichen wird doch angestrebt?) und wenn sie dann gemerkt haben, dass sie in der Wissenschaft ihre Berufung gefunden haben, wichtige Beiträge leisten können und wollen, wie die Dissertation, keine 20 oder 30 mehr. Und ja, vielleicht – oder in Deutschland momentan noch wahrscheinlich – werden sie nicht alle Professoren werden (was übrigens auch für die “Jungen” unter den erfolgreich promovierenden Mitarbeitern gilt). Und diese Uni schließt mich nun  mit einer solchen Begründung von einer akademischen Karriere in der Wissenschaft aus??? Und selbst meine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin schon mit dem Bachelor, auf die ich so stolz war und bin, bekommt dadurch eine negative Konnotation. Denn nach dem jetzigen Stand des Wissenschaftszeitgesetzes zählen alle Anstellungen ab dem Bachelor auf die 6 Jahre, die man vor der erfolgreichen Promotion befristet angestellt werden kann. Damit verblieben mir, je nachdem wie eine anstehende Gesetzesnovelle ausfällt, aktuell noch zwischen einem Jahr und drei Monaten bis maximal knapp zwei Jahren bis zum Abschluss der Promotion. Da an der Betreuung meines Promotionsthemas aber nun ebenfalls kein Interesse besteht, wird die Zeit noch knapper.

Priorität wird haben, schnellstmöglich mein Promotionsvorhaben „unterzubringen“. Momentan liebäugele ich auch stark damit, meine internationalen Kontakte zu nutzen, um vielleicht stattdessen einen PhD im Ausland zu erwerben. Passende und spannende Stellen gibt es zwar viele, leider könnte mir aber auch da die kurze verbleibende Zeit bis zum Ende der sechs Jahre zum Fallstrick werden.

Dies ist nun meine ganz persönliche Zusammenfassung und Sicht auf meine Zeit an der FernUniversität. Ich bin traurig und enttäuscht – aber trotzdem auch optimistisch und überzeugt, dass ich meine Ziele realisieren werde. Schade nur, dass „meine“ Universität – und das ist und bleibt die FernUni nun einmal – dann nicht mit davon profitieren kann. Ich hätte gerne mit und nach der Doktorarbeit zurückgegeben, was ich dort in vielen Jahren bekommen habe.

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